Mittwoch, 22. August 2018

Ein bisschen wie Urlaub.

Auf der kleinen Insel am Mühlenbach hat Markus Reinauer wieder mal „nach Herzenslust“ gegrillt – Bekenntnis zur Region.

Leise plätschert der Mühlenbach, sanft wiegen sich die Blätter der stattlichen Walnussbäume im lauen Lüftchen. Wei­ße Papierlaternen kontrastieren mit dem blauen Himmel und warten auf ihren nächtlichen Auftritt. Ein Sommerabend wie im Bilderbuch. Während sich gut 50 gut gelaunte Gäste auf der kleinen
In­sel zwischen Jagstmühle und Jagst mit einem frisch gezapften Pils oder einem rassigen fränkischen Silvanersekt auf Grill-Genüsse und mehr einstimmen, jongliert Küchenchef Markus Reinauer locker vom Hocker zwischen Grills, Plan­cha und Warmhalteschalen hin und her. Legt hier ein paar Keulen vom Mäusdor­fer Demeter-Landgockel auf den Rost, da ein paar Cotês de Boeuf vom Limpur­ger Weiderind und dort gut gewürzte Do­raden-Filets und Seeteufel-Medaillons auf die glühend heiße Stahl-Plancha. Fast eine Art Choreografie, gespeist aus Erfahrung, Handwerk und Liebe zum Be­ruf. Weil ein Koch kurzfristig ausgefallen ist, ist Reinauer an diesem Abend Ein­zelkämpfer. „Alles easy, kein Problem“, sagt er und dreht schnell ein paar Lammbratwürste um.

Nicht nur Fleischeslust
Grillen nach Herzenslust“, das ist zu­gleich Motto des Abends und das, was die Gäste an diesem Abend in die Jagst­mühle gezogen hat. Klar, da ist die Flei­scheslust, der hier ausgiebig gefrönt werden kann. Aber auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Und da ist das Drumherum, das die vielfältigen Grilla­den flankiert. Ob als Intro das verführeri­sche Vorspeisen-Buffet, bei dem es schwerfällt, irgendetwas auszulassen. Ob das Finale mit süßen Dessertfreuden und heimischen Käsen oder die vielen Begegnungen und Fachsimpeleien, die immer wieder um kulinarische Genüsse kreisen. Nicht nur einmal muss Markus Reinauer aus seinem kulinarischen Küchenkästchen plaudern und den ein oder anderen heißen Tipp preisgeben, was er sichtlich gerne und ausführlich macht. Und immer wieder animiert er die Gäste zum Probieren: „Fisch han i glei, kommet se rüber, s'Lamm dauert noch a bissle, aber 's Rind wär' au so weit.“

Was die Gäste kulinarisch erwartet, kön­nen sie auf Tafeln lesen, die von goldfar­benen Bilderrahmen eingerahmt werden. Da gibt es als Vorspeisen: Tomaten-, Gurken-, Kartoffel- und Blattsalate, ge­grilltes Gartengemüse, Hohenloher Bauernsalat, Salat Nizza, Caesar Salat, gefüllte Peperoni, gratinierten Schafskä­se und Avocado-Mango-Salsa. Als Prot­agonisten des Abends vom Grill: Ko­telettes vom Mohrenköpfle, Limpurger Weideochsen und vom Lamm Filets, Keulensteaks und Bratwürste, dazu Schlegel vom Mäusdorfer Land­gockel, Dorade Royal, Medaillons vom Seeteufel, Auberginen-Talegio-Paprika-Lasagne, Rosmarin- und Ofenkartoffeln samt Aufstrichen und Markus Reinauers hausgemachten Grillsaucen. Und zum Finale locken Desserts wie Dinkel-Schokokuchen, Zwetschgenblooz, haus­gemachte Sorbets, Bauernhofeis, Pan­nacotta mit Waldbeeren, Melonen-Nek­tarinen-Salat oder eine üppige
Käseplat­te.

Versuchen und Versuchung
Hungrig geht an diesem Abend keiner nach Hause. Zu verlockend sind die an­gebotenen Genüsse aus der Müh­len-Heimatküche, um der Versuchung wider­stehen zu können. Es käme fast einer Sünde gleich, weder das zartrosa Fleisch vom Limpurger Weideochsen mit seinem kernigen, nur durch etwas Fleur de Sel unterstützten Rindfleischge­schmack zu probieren noch die subtil mit Zitronengras und Ingwer marinierten Seeteufel-Medaillons, den knackig-fri­schen Apfel-Fenchelsalat, den fluffigen Dinkel-Schokokuchen undundund. Man könnte hier noch lange weitermachen. Die eigentlich den Vegetariern zuge­dachte Auberginen-Talegio-Paprika-Lasagne scheint auch bei Fleisch-Fre­aks voll einzuschlagen. Nicht zu­letzt trägt auch der gut geölte Service zum gelungenen Verwöhn-Erlebnis bei. Sa­brina, Sandra und Lisa unter Regie der stellvertretenen Restaurantleiterin Caren Traub: immer flink, aufmerksam und freundlich.

Gäste geizen nicht mit Komplimenten
Kein Wunder, dass die Gäste an diesem Abend nicht mit kulinarischen Kompli­menten geizen. Wen man auch fragt. „Ganz schwer“, sagt zum Beispiel Georg Barta auf die Frage nach seinen Favori­ten. Der Ochsen-Wirt aus Diefenbach im Kraichgau und - wie Reinauer - einer der Limpurger-Pioniere, findet einerseits „den Fisch besonders gut“, kommt aber auch am Limpurger Weideochsen nicht vorbei. „Der spricht einfach für sich und ist halt ein Highlight“, sagt er und strahlt. Barta hat deshalb zuallererst „vom Cotê de Boeuf probiert, sonst wären wir doch keine Limpurger-Köche“. Auch die Vor­speisen findet er „affengeil“ und hat be­obachtet, dass „viele Gäste sich mehr­mals geholt haben, weil's so gut war“. Sein Fazit: „Ein runder Abend, ich bin froh, dass ich heute meinen Laden zu­gemacht habe und ins Hohenlohische gefahren bin.“

Zwetschgenblooz oder Schokokuchen? Silke Carle steht vor dem Dessertbuffet und hat die Wahl. „Des druck i jetz noch nei“, sagt sie und entscheidet sich für beides, „weil's so gut ist“. Auf den Grill-Abend ist die Böblingerin über die Ho­mepage der Jagstmühle aufmerksam geworden. „Des isch wie Urlaub“, schwärmt sie über den „schönen Abend“, bei dem „alles gestimmt“ habe. Vom „tollen Ambiente“ bis zum „hervorragenden Essen“. Besonders gefallen hat ihr. „dass das Fleisch aus der Region kommt und dass man hier Sachen kriegt, die es sonst nicht so oft gibt“.

Auch Slow-Food-Aktivist Andreas Berns aus Bad Mergentheim ist rund­um zufrieden. „Markus Reinauer, wie er leibt und lebt und wofür er steht: echt au­thentisch“, so sein Fazit. Nicht nur ihm hat die „Liebe zum Detail“ gefallen und dass man „einfach merkt, dass da einer seinen Job liebt“. Sein kulinarischer Fa­vorit: „Der meisterlich gegrillte Hähn­chenschlegel mit seiner kross-würzigen Haut und dem schönen
Eigenge­schmack des Fleisches.“

Schönster Konjunktiv des Abends
Ein positives Fazit zieht am Ende des Abends auch Markus Reinauer: „Ein schöner Abend mit entspannten Gästen, die dankbar genießen und unsere regio­nalen Produkte auch zu würdigen wissen.“ Offensichtlich ist die Jagstmüh­len-DNA, die in Regionaliät, Saisonalität, Qualität, kurzen Transportwegen, nach­haltiger Erzeugung und einem Bekennt­nis zur Heimat wurzelt, längst zur Marke geworden. Obwohl Markus Reinauer als grillender Einzelkämpfer alle Hände voll zu tun hatte, hat er „so nebenher die vielen Gespräche mit unseren Gästen sehr genossen“. Gefreut hat er sich auch „über den schönsten Konjunktiv des Abends: mir tätet wiederkomma.“ Wer die Leute aus dem Ländle kennt, weiß, dass das schon höchstes Lob
be­deutet.

Mittlerweile hat die Nacht ihren dunklen Schleier über die Genießerrunde am Mühlenbach gelegt. Die Stunde der Papierlaternen schlägt. Hell konkurrieren sie mit dem Licht des Mondes. Ein Sommerabend in der Jagstmühle – ein bisschen wie Ur­laub.

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